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Aller Anfang ist schwer. Blogger wie Benjamin Wendt von verstehe-deine-finanzen.de wollen den Einstieg in das Thema erleichtern. Das allerwichtigste dabei: Ruhe bewahren. Und: Glaube nur Menschen, die ihr Ziel auch erreicht haben, meint Benjamin.
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Benjamin Wendt: Heutzutage hat man die tolle Möglichkeit, auf verschiedene Kanäle zugreifen zu können. Simon und ich nutzen zum Beispiel unseren Arbeitsweg zum Podcast hören. Oder Hörbücher hören. Da bekommt man einen guten Überblick Zum Beispiel “Finanzwesir rockt”: Man hat viele Themen, die unter einer Stunde angerissen werden. Und wenn man merkt, dass einen das Thema interessiert, kann man genauer nach einem bestimmten Thema suchen und längere Blog-Artikel über ETFs, Aktien, Immobilien, Rohstoffe oder Anleihen lesen. Bücher lesen finde ich ebenfalls spannend, weil du eine etwas intensivere Story bekommst. Eine bestimmte Person schreibt über ein Thema. Du kennst vielleicht den Hintergrund von der Person, kannst dich damit beschäftigen. Es braucht natürlich mehr Zeit, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Das sind für mich die klassischen Wege. Dazu kommt natürlich noch YouTube oder andere Videoplattformen, weil man es dort auch nochmals sehr bildlich darstellen kann. Das machen ja auch diverse Blogger.

 

Grundregeln bei der ersten Geldanlage?

Beim Thema Geldanlage oder Investment ist für mich das allerwichtigste: Ruhe bewahren. Wenn du das Gefühl hast, du musst jetzt etwas machen, weil es dir sonst davonläuft, dann lass es. Dann lass es auf jeden Fall, weil nichts läuft davon. Finanzmärkte gibt es seit Hunderten von Jahren, es gibt Gold seit Tausenden von Jahren, Immobilien seit Hunderten von Jahren, den Aktienmarkt schon weit über hundert Jahre. Warum soll dir jetzt was davonlaufen? Wenn jemand kommt und sagt, dass es jetzt die einmalige Chance sei – vergiss es! Der will einfach nur etwas verkaufen.

Ein zweites Thema ist: Wenn du von jemandem lernen willst, dann schaue immer, dass er das Ziel, was du erreichen willst, schon erreicht hat. Wenn dir jemand erzählt “So verdienst du deine erste Million” und er selbst gar keine Million hat, wie soll er das denn dann erklären? Am Ende will er wahrscheinlich nur etwas verkaufen oder Klickzahlen. Nehmen wir als Beispiel Bodo Schäfer. Der hat seine Million. Also wenn du sein Buch “Wie du in sieben Jahren zur ersten Million kommst” liest, kann das – ob man das Buch jetzt mag oder nicht sei dahingestellt – in gewisser Weise Sinn machen. Oder Alex Düsseldorf Fischer, der viele Immobilien besitzt, wenn dich Immobilien als Investment interessiert. Das sind Leute, die haben wirklich die Ziele schon erreicht, über die sie erzählen. Das ist für mich ein wichtiger Punkt.

Und das Dritte ist: Bevor du anfängst, versuche dir wirklich den Überblick zu verschaffen. Du musst nicht alles verstanden haben im Detail, da du immer dazulernen wirst. Unser Lernen hört nicht am Ende der Schule oder des Studiums auf, wir werden ewig Reisende und Lernende in unserem Leben sein. Natürlich wirst du durch das Tun lernen, aber bevor du anfängst, verschaffe dir erst einmal ein Überblick. Du musst das Gefühl haben, dass du weißt, was es alles gibt. Es gibt Immobilien, Aktien, Anleihen oder Rohstoffe. Du fragst dich: “Was interessiert mich?” Dann nimmst du dir eins raus und fängst damit an. Das ist es eigentlich schon. Und dann wirst du wachsen und Erfahrung sammeln. Versuche durch Fehler anderer zu lernen. Du musst nicht jeden Fehler noch einmal machen. Also lese dich ein, höre dir Videos an. Irgendwelche Fehler wirst du machen, das ist kein Problem. Aber du musst nicht jeden Fehler noch einmal machen, du musst nicht alles auf einmal machen und dir läuft auch nicht die Zeit davon.

 

Braucht man Ziele?

Es gibt einerseits ein ideologisches Ziel. Es kann sein, dass du sagst: “Ich will in zehn Jahren finanziell frei sein.” Dann ist die Frage, was das überhaupt für mich bedeutet. Für den einen bedeutet finanziell frei sein, dass er eine Million im Depot hat. Für den anderen bedeutet finanziell frei sein, dass er nicht mehr arbeiten gehen muss und durch passive Einkommensströme oder durch selbständige Onlinearbeit sein Geld verdienen kann. Ich glaube, es ist erst einmal eine Definition. Für mich ist es nicht wichtig, nächste Woche zu kündigen und durch die Welt zu reisen. Sondern ich sage: “Ich will mein aktuelles Niveau im Alter auf jeden Fall halten können und nicht auf einmal alles umdrehen müssen. Dass die Rente natürlich weniger ist als mein jetziges Einkommen, ist relativ klar. Dann kann man natürlich schauen, was mir mein Unternehmen als Angestellter bietet. Das andere ist, sich wirklich ganz konkret eine Zahl zu definieren: Ich möchte Summe X, zum Beispiel tausend Euro, im Alter aus passiven Einkommensströmen bekommen.

Und sich dann wirklich mal hinzusetzen und zu errechnen: “Was benötige ich dafür denn für eine Zielrendite?” Angenommen, ich habe jetzt 30 Jahre lang Zeit bis 65. Wie viel Rendite muss ich im Durchschnitt über die 30 Jahre machen, um wirklich genau dieses Ziel zu erreichen? Ich denke wir scheitern daran, dass wir uns kein konkretes Ziel setzen und nicht genau wissen, was wir wollen. Wir wollen finanziell frei werden, wir wollen eine Million auf einem Depot. Warum eine Million? Reicht die Million überhaupt? Beim Definieren merken mir meist: “Okay, es ist ja gar nicht so viel”. Manche merken erst dann, dass der Schritt gar nicht so groß ist. Für andere heißt es: “Okay, der ist groß, aber dann sollte ich jetzt mal dringend anfangen”. Oder gerade für jüngere durch den Zinseszinseffekt ist wichtig: Wenn du zehn Jahre vorher anfängst, musst du manchmal nicht mal die Hälfte von dem investieren, wie zehn Jahre später.

Bildquelle(n):

  • Smiling amazed man with book and apple on his head: Colourbox
Redaktion

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