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Umso früher, desto besser – so lautet auch der Ratschlag von Finanz-Coachin Claudia Müller, wenn es ums Geld anlegen geht. Wann sie selbst angefangen hat, wie sie investiert und was Brokkoli und Kohlsuppe damit zu tun haben.

 

 

Mein-Kohleeinstieg.de: Du sagst, am besten ist es früh mit dem Geld anlegen anzufangen. Wie war das bei Dir?

Claudia Müller: Ich selbst habe damit angefangen, als ich bei der Bundesbank war und mich eben immer wieder mit dem Thema nachhaltige Geldanlagen auseinandergesetzt und gedacht habe: Okay, ich will irgendwie nachhaltig anlegen.

Dann habe ich viel gelernt und gelesen und gesehen, dass das Thema Nachhaltigkeit gar nicht so einfach ist als ein Privatinvestor. Ich kannte ja irgendwie hauptsächlich so die Bundesbank-Perspektive bis dahin.

Dann hab ich für mich selbst angefangen, meine ersten Schritte zu tätigen und dann etwas später auch für meine Patenkinder. Das war so ein Motivator, weil ich gedacht habe: Okay, bevor ich für die etwas anlege, will ich es selbst können.

Sparst Du auch?

Ich habe einen gut gefüllten Notgroschen. Am Anfang, als der noch nicht da war, habe ich erst mal einen 20 Prozent meines Einkommens direkt  – zack – auf ein separates Konto gelegt und gespart. Das habe ich automatisiert, das ist ganz wichtig: Einfach direkt Gehalt kommt, am nächsten Tag geht der Dauerauftrag auf das separate Tagesgeldkonto.

Als die erste Gehaltserhöhungen kam, habe ich die Sparquote erhöht. 50 Prozent der Gehaltserhöhung ging direkt in die Sparquote und die anderen 50 Prozent habe ich für mich und mein Leben genutzt. Als Notgroschen gefüllt war, habe ich angefangen in ETF-Sparpläne zu investieren für langfristig. Habe dann irgendwann auch noch P2P-Investition beigefügt.

Momentan ist das, was ich spare mein Investitions-Teil, also “langfristiges Sparen”. Aber das liegt eben daran, dass mein Notgroschen gut gefüllt ist und wenn der mal zwischendurch gebraucht wird, dann würde ich den danach erstmal wieder auffüllen. Ich habe den vor zwei Jahren mal gebraucht und da war ich sehr froh, den zu haben. Das hat mich auch nochmal in der Praxis bestärkt. Man kann ihn schnell mal brauchen.

Außerdem habe ich immer wieder kleinere Sparziele, dass ich sage: Okay, ich will demnächst mal in den Urlaub fahren. Dafür brauche ich eben etwas an Geld. Durch die Selbstständigkeit ist meine finanzielle Situation verändert und weniger, als zu Bankzeiten. Deswegen setze ich mir dann mal kleinere Ziele und sage: Cool, bis dahin habe ich das und das gespart. Das geht dann in meine Unterkategorien auf meinem Konto.

Ich finde beim Sparen ist es wichtig, dass man nicht nur dieses Negative “ich muss sparen, ich muss auf etwas verzichten” hat, sondern sich eben auch positive Ziele daran knüpft. Also schaut: Okay, wenn ich jetzt spare, kann ich mir später irgendwas Tolles leisten oder kann ich irgendwas Schönes damit machen.

Sonst kommt auch wieder unser Unterbewusstsein – sowie bei einer Diät: Da brauchen wir ab und zu einen Cheatday. Ich kann mich die ganze Woche von Kohlsuppe und Brokkoli ernähren, aber wenn ich weiß, dass ich am Samstagabend das essen darf, worauf ich Lust habe, dann halte ich das durch.

Ähnlich ist es beim Sparen. Ich kann das durchhalten: Zuhause zu kochen und nicht essen zu gehen, wenn ich weiß, dass ich mir einmal pro Woche oder einmal im Monat richtig was leisten kann. Dann fällt mir das leichter, mich daran zu halten. Sonst fange ich an im Supermarkt die teuren Sachen zu kaufen, statt die günstigen und dann ist die Hälfte meines Sparens schon wieder weg.

Wie investierst Du?

Ich investiere hauptsächlich in ETFs. Auch in aktive Fonds, weil ich ja das Herzensthema Nachhaltigkeit habe und da ist es echt schwierig, einen ETF zu finden, der meine Ansprüche an Nachhaltigkeit erfüllt. Das sind die Hauptsachen. Dann mache ich ein bisschen P2P-Kredite. Aber momentan schaue ich noch, wie sich das alles verhält und sammle Erfahrungen.  

 


Claudia Müller hat früher bei der Bundesbank gearbeitet. Mittlerweile ist sie selbstständige Finanz-Coachin und möchte mit dem “Female Finance Forum” Frauen den Umgang mit Geld und Finanzen näherbringen.


 

Bildquelle(n):

  • girl fingers crossed: Colourbox: girl fingers crossed
Redaktion

Finanzwissen wird in unserer Gesellschaft nach hinten gestellt

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