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Frauen investieren anders und meist weniger als Männer. Das zeigt auch das Gender-Investment-Gap. Schuld daran kann ein falsches “Money-Mindset” sein, sagt Finanz-Coach Claudia Müller.

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Was ist dein Motto, wenn es um Finanzen geht?

Claudia Müller: So wenig Arbeit wie möglich – überhaupt keine Lust damit mich damit regelmäßig zu befassen. Aber gut aufgebaut, gutes System und dann soll es einfach laufen und ich schau es mir einmal im Jahr an, wie einen Arztbesuch.

 

Du sprichst häufiger vom richtigen “Money-Mindset”, was ist das?

Das Problem ist, dass unser Unterbewusstsein sehr gut darin ist, uns zu sabotieren. Das heißt, wenn wir der Meinung sind, dass reiche Menschen nur geliebt werden wegen ihres Geldes und nicht wegen ihrer Persönlichkeit, wird es mir selbst schwer fallen, reich zu werden, weil ich glaube, dass ich dann ein schlechter Mensch bin.

Eine Frau erzählte mir mal, sie habe ein schlechtes Gewissen gegenüber ihren Freundinnen, die eine schlechte Rente haben. Sie traue sich nicht, sich was zu gönnen, weil dann offensichtlich wird, dass sie mehr hat. Da behindert ihr Mindset ihren Umgang mit Geld. Obwohl man ja häufig der Meinung ist, Geld sind Zahlen und rational. Aber der Umgang mit diesem Geld, wird ganz stark von unserer inneren Einstellung beeinflusst.

 

Unterscheiden sich da Männer und Frauen?

Ich weiß nicht, wie Männer damit umgehen. Ich weiß nur, wie Frauen damit umgehen und da ist es tatsächlich relativ häufig so die Problematik, dass sie sagen: “Geld macht nicht glücklich” und “Ich brauche kein Geld, um irgendetwas zu erreichen” oder  “Reiche Menschen sind nicht glücklicher als arme Menschen”.

Da ist es wichtig zu hinterfragen, bist du davon überzeugt, dass reiche Menschen nicht glücklicher sind als arme Menschen? Kannst du sicher sein oder könnte es vielleicht sein, dass ich glücklich und reich sein kann, das beides geht. Einfach diese tief verankerten Glaubenssätze mal zu hinterfragen. Da blockieren sich Frauen eher.

Uns wird immer suggeriert, dass wir Geld ausgeben sollen, also Shoppen gehen – was auch immer. Aber es wird nie darüber geredet, wie wir dieses Geld verdienen oder wie wir daraus mehr machen können. Das ist bei Frauen doch besonders, dass wir entweder gar keine Berührungspunkte mit dem Thema Geld haben oder eben nur auf der Ausgabenseite, nicht auf der Einnahmen- und Vermehrungsseite.

 

Ist das auch der Grund für das Gender-Investment-Gap?

Ja, das ist auf jeden Fall ein Teil davon. Also ein Teil ist, dass Frauen einfach weniger haben und deshalb weniger anlegen können. Und ein andere Teil ist, dass Frauen mehr Informationen haben wollen, bevor sie investieren.

Wir wollen wirklich verstanden haben, was wir machen, bevor wir es umsetzen. Das ist eine gute Sache und macht uns zu guten Investorinnen. Aber das kann auch dazu führen, wenn wir zu lange nach Informationen suchen, dass wir in der Analyse verharren und nicht zur Umsetzung kommen. Das führt dann auch zur Investment-Gap.

 


Claudia Müller hat früher bei der Bundesbank gearbeitet. Mittlerweile ist sie selbstständige Finanz-Coachin und möchte mit dem “Female Finance Forum” Frauen den Umgang mit Geld und Finanzen näherbringen.

Bildquelle(n):

  • Paper man vs woman. Abstract conceptual image: Colourbox
Redaktion

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