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Zwei von drei Frauen in Deutschland droht später die Altersarmut. Geld-Coachin Dani Parthum erklärt, wie es dazu kommen konnte und was Frauen dagegen tun können, damit sich das künftig ändert. 

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Mit welchen Vorurteile und Klischees kämpfen Frauen?

Dani Parthum: Ich würde sagen, weder das eine noch das andere stimmt. Frauen können Finanzen ziemlich gut. Wir Frauen haben nur Nachholbedarf im selbstbewussten Umgang mit Geld, weil wir viel Jahrhunderte entmündigt waren. Wir hatten keine finanzielle Mündigkeit, weil wir in der Bundesrepublik nicht für Geld arbeiten gehen durften, weil wir nicht unsere eigenen Konten haben durften. 

Deswegen fehlt uns Frauen Übung und Handwerkszeug. Aber mit Klischees und Vorurteilen hat das nichts zu tun, eher mit Stereotypen, die die Gesellschaft immer noch auf uns Frauen drauf packt. Deswegen mache ich das, was ich mache: Geldcoaching mit der „Geldfrau“, um die Frauen zu ermuntern, das anzupacken. Ihnen zu sagen: Ihr könnt das mit den Finanzen. 

Dann klappt das auch und ihr holt euch die Mündigkeit, die Männer im Großen und Ganzen haben. Auch Männer können nicht unbedingt Finanzen, aber sie haben ein viel größeres Selbstbewusstsein, als wir Frauen – noch! Wir holen auf.

 

Was droht Frauen sonst?

Wenn sie noch verheiratet sind, ist es nicht so ein Problem, weil die Rentenpunkte und damit das Vermögen geteilt werden. Da droht den Frauen kein großes Ungemach. Schwierig wird es für alle Frauen, die in Scheidung leben oder die geschieden sind, keinen wirklich guten eigenen Job hatten oder viele Jahre manchmal Jahrzehnte, in Teilzeit gearbeitet haben. Dann droht Altersarmut. 

Im Moment droht zwei von drei Frauen die Altersarmut und das ist schon eine ziemlich krasse Zahl, muss ich sagen. Die Frauen werden nicht entlohnt für das, was sie für die Gesellschaft getan haben. Also Kinder großziehen – Steuerzahler, Arbeitskräfte großziehen im Grunde. Das wird nicht honoriert von der Gesellschaft und das ist für Frauen ziemlich dramatisch. 

Ich denke, dass hier auch die Politik gegensteuern muss und wahrscheinlich wird. Wie das aussehen wird, werden wir sehen. Aber es werden wahrscheinlich sehr viele Frauen in die Altersarmut abrutschen. Das empfinde ich als sehr dramatisch

 

Was ist Altersarmut?

Wenn man sich die gesetzlichen Renten von Männern und Frauen anschaut, bekommen die Männer im Durchschnitt um die 1.000 Euro pro Monat, was auch schon nicht viel ist. Frauen kriegen um die 600 Euro pro Monat. Da können wir uns selbst mal ansehen, ob wir damit auskommen würden. Also ich würde mit 600 Euro nicht auskommen, damit könnte ich noch nicht einmal meine Miete zahlen. 

Die Frauen werden Hilfen beantragen müssen, werden ein bisschen was obendrauf kriegen, aber sie müssen sich deutlich verkleinern: Kleinere Wohnungen, sehr wahrscheinlich aus ihrem gewohnten Umfeld raus. Können sich vielleicht kein mehr gesundes Essen leisten, Kleidung fehlt. Sie können ihren Enkeln keine Geschenke machen, müssen jeden Cent umdrehen. 

Das ist sehr würdelos, so zu leben. Wenn die Frauen dann nicht mehr mit ihren Freundinnen ins Café gehen können oder sich irgendwelche Kleinigkeiten im Alltag, die das Leben ein bisschen versüßen, nicht mehr leisten können. 

 

Was kann man dagegen kurz vor der Rente tun?

 Das ist ziemlich spät, muss ich sagen. Dann hilft im Grunde nur noch, sich eine zusätzliche Einkommensquelle zu erschließen. Dafür muss eine Frau aber gesund sein und eine gewisse Fitness haben. Denn wenn ich ein bisschen krank bin, von meinem beruflichen oder persönlichen, familiären Umfeld, kann ich nicht mehr so gut arbeiten. 

Aber letzten Endes sind diese Frauen dazu verdonnert, weiter zu arbeiten – wenn sie denn überhaupt einen Job kriegen. Für 450 Euro kriegt man vielleicht noch einen Job, der kann es etwas abfedern. Irgendwann geht das auch nicht mehr, weil wir schwächer werden, das ist ganz normal und eine schwierige Situation. 

Wenn eine Frau in so einer Situation ist, würde ich auch immer noch einmal mit dem Ex-Mann oder mit dem Mann sprechen, wie sie das Vermögen aufteilen können. Sich informieren, mit dem Partner und im Umfeld über Geld sprechen und sich Gedanken machen. Vielleicht noch einen zusätzlichen Job. 

Natürlich auch Rücklagen bilden und sich mit dem Thema auseinandersetzen, denn man kann auch mit 60 Jahren noch einiges machen. Wir Frauen leben länger, wir leben 80 bis 90 Jahre –  wir haben also noch 30, 25 Jahre. Da lässt sich schon einiges auf die Beine stellen, was die Finanzen angeht. 

 


Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin und hat früher als Radio-Journalistin unter anderem für den NDR, WDR und Deutschlandfunk gearbeitet. Mittlerweile ist sie selbstständige Geld-Coachin und möchte durch ihren Blog “Geldfrau” anderen Frauen den klugen Umgang mit Geld und Vermögensaufbau beibringen.


 

Bildquelle(n):

  • Woman screaming in megaphone: Colourbox
Redaktion

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