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Seine Tochter kann bereits mit sieben Jahren erkennen, was Gewinne und Verluste sind. Finanzen sollten etwas sein, das einem Spaß macht, sagt Blogger Alex Fischer. Tipps für Eltern und junge Anleger hat er ebenfalls parat.

Mein-KohleEinstieg.de: Wie erklärst Du Deiner Tochter den Umgang mit Geld?

Meine Tochter ist jetzt sieben Jahre alt und hat in Bezug auf Geldscheine ein deutlich besseres Wissen oder eine Einstellung zu Geld als ich damals mit sieben Jahren hatte. Es liegt wahrscheinlich einfach daran, dass ich oder wir grundsätzlich mit Geld einfach anders umgehen. Wir hinterfragen unsere Ausgaben jedes Mal. Muss es heute das sein oder muss es nicht sein? In welchem Umfang wollen wir Geld ausgeben? Beim Geld verdienen sieht es nicht anders aus. Wir fokussieren uns auf passive Einkünfte. Also wir versuchen, Zeit gegen Geld – also Stundenlohn von X – zu vermeiden. Lieber arbeite ich einfach unentgeltlich und kann das im späteren Verlauf dann irgendwie monetarisieren. Durch einen Buchverkauf zum Beispiel. Das schreibt man erstmal drei Monate, aber verdient erst später daran. Das sind Sachen, die ich meiner Tochter mitgebe. Deswegen ist sie glaube ich schon auf einem guten Weg. Sie kann heute schon sehr gut erkennen, was grün und rot bedeutet. Was bedeutet, wenn etwas nach oben geht und dann erst nach unten geht. Und dann sagt sie: “Papa, heute ist ein guter Tag!” Ja, heute ist ein guter Tag. Das sind so Sachen mit sieben, die man schon mal irgendwie mitnehmen kann. 

 

Welchen Tipps sollten Eltern folgen?

Mir begegnen ganz viele Menschen, die Interesse an diesem Thema haben. Das ist schon einmal gut. Interesse muss man haben. Wie wenn man angeln oder zum Fußballverein geht: Das ist etwas, was man gerne macht. Dann geht man dahin und nimmt auch Wind und Wetter in Kauf. Das muss man beim Geld und bei Finanzen genauso machen. Da tun viele sich eben so schwer, dass sie sagen: “Ich habe kein Interesse, ich verstehe das nicht.” Dieses Wissen muss man sich aneignen und man muss wirklich Zeit aufbringen, Lust und Laune. Bei Familien ist es oft so, dass an diesem berühmten Strang, an dem man zieht, leider nicht alle gemeinsam in die gleiche Richtung ziehen. Die ziehen zwar an einem Strang, aber der eine in die und der andere in die Richtung.

 

Wie lautet Dein Rat an junge Leute, die gerade kurz vor ihrer beruflichen Karriere stehen und für ihr Alter vorsorgen wollen?

Ein Rat, den ich mitgeben kann, ist, immer mehr zu tun wie die Masse. Die normalen Menschen gehen nine to five in ihren Job, machen ihre vierzig Stunden, gehen wieder nach Hause und freuen sich auf den Montag. Wenn du derjenige bist, der fünfundvierzig Stunden schafft, dich einfach mehr engagierst oder mehr Zeit in deine eigenen Sachen investierst, hast du schon einmal zeitlichen einen Riesenvorsprung. Wenn es in deinem Job nicht möglich ist, dann kannst du nebenbei – in jungen Jahren hast du ja viel Zeit und Energie –  deine Freizeit für deine eigenen Projekte investieren. Grundsätzlich geht es immer darum, zu investieren – entweder Zeit oder Geld und am besten Zeit und Geld. Das ist praktisch ein Hebel fürs Leben. Je früher man anfängt, Zeit in Projekte zu investieren desto eher kann sich daraus etwas entwickeln, mit dem man später zusätzliches Geld verdient, was man dann wieder investieren kann. Es geht immer nur um.

 

Wie entgegnest Du jemandem, der meint, dass es zu spät für die private Altersvorsorge ist?

Je später man anfängt desto schwieriger wird es natürlich, die hochgesteckten Ziele von jungen Menschen zu erreichen. Das ist ganz klar. Aber: Wer wenig Zeit hat, sollte die wenige Zeit, die ihm gegeben ist, natürlich nutzen, um das Maximum herauszuholen. Optimieren geht immer. Die Einnahmen können immer noch ein bisschen optimiert werden. Vielleicht können die Ausgaben im Alter noch massiver optimiert werden, dass man unterm Strich sagt: Man entlastet sich selbst. Da muss man einfach ehrlich zu sich sein und fragen, was möglich und was nicht möglich ist. Das hat auch einen gewissen Realismus, den man mitbringen muss. Man darf nur nicht resignieren. Man muss praktisch immer daran arbeiten und motiviert bleiben.

 

 


Alex Fischer ist nach eigenen Angaben einer der ersten und heute noch aktiven Finanzblogger in Deutschland. Sein Finanzblog besteht seit April 2009 und beschäftigt sich mit der “Dividenden-Alarm-Strategie”.


 

Bildquelle(n):

  • Rollercoaster ride at theme park: Colourbox
Redaktion

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