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Eine große Hürde in der Geldanlage: der Beginn. Lars Erichsen erzählt uns, wann der richtige Zeitpunkt ist, was er seinen Kindern mit auf den Weg gibt und wie man mit 200 Euro reich werden kann.

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Wann ist das/der richtige Alter/Lebensabschnitt, mit der Geldanlage zu beginnen?

Lars Erichsen: Relativ klar für mich wäre es die Oberstufe, in der Schule. Das heißt also in dem Moment, wo es um die Themen – bei mir hat man das früher noch Wirtschaft und Politik genannt – reale Politik geht und nicht mehr um Geschichte, sondern dann das, was heute auf diesem Planeten passiert. In dem Moment ist vielleicht auch interessant: Was mache ich mit Geld? Denn das ist das Alter, wo die Ansprüche steigen, wo die Ausgaben steigen wo sich jemand, der den mittleren Schulabschluss macht, dann auch schon überlegen muss: Was mache ich mit meinem ersten Lehrlingsgehalt? Zwischen 16 und 18 Jahren ist für mich der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen. Insbesondere wäre es ein Riesenvorteil, wenn im Lehrplan jeder Schule mit drin wäre, dass man weiß, es ist ein Thema, um dass ich mich kümmern muss. Das ist kein Thema, wo ich mir irgendwann Gedanken vielleicht drüber mache, sondern es ist ein Thema, wo ich mich zwangsläufig mit beschäftigen muss. Wir haben schon heute jemanden, der heute im Westen in die Rente geht, bekommt durchschnittlich – ich bin nun selbständig und habe nie in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt – ich meine so 1180 Euro. So ganz große Sprünge macht man damit nicht. Und das ist jemand, der heute in die Rente geht. Bei jemandem, der in 30, 40 oder 50 Jahren eine Rente bezieht, sieht das anders aus. Man kann einfach natürlich auf das Prinzip Hoffnung setzen und sagen “Ach das wird sich schon wieder erholen, es wird später deutlich mehr werden”, aber ich glaube die meisten sind einig, das wird es eben nicht. Das heißt, dass ist dann schon wirklich eine absolute Notwendigkeit, sich damit zu beschäftigen.

 

Was gibst Du Deinen Kindern für Tipps zum Einstieg?

Ich würde mit ihnen über Aktien sprechen und werde auch mit ihnen über Akten sprechen. Meine Tochter ist jetzt 17, mit der habe ich über das Thema schon gesprochen. Mein Sohn ist 15, der ist demnächst dran. Der Einstieg sind im Prinzip Unternehmen. Unternehmen, die meinen Kindern im Alltag begegnen: Netflix, bei meinem Sohn werden es Gaming-Unternehmen sein und so weiter. Sich diese Unternehmen anzuschauen und zu sagen: “Okay, wir reden hier nicht über irgendetwas Steriles, über irgendein Anlageprodukt, von dem ich nichts verstehe. Sondern da sind Unternehmen, von denen versteht ihr wahrscheinlich mehr als ich und bei der Aktienanlage geht es schlicht und einfach darum, Teilhaber dieser Firma zu werden”. Ich kaufe Unternehmensanteile. Wenn man in dem Alter anfängt, dann darf durchaus aus meiner Sicht die Aktienquote noch bei hundert Prozent liegen. Jemand der mit 20 Jahren Geldanlage betreibt, der braucht sich noch keine Gedanken darüber zu machen, ob die Börse überhitzt ist. Derjenige hat im besten Fall – ich wünsche ihm, dass er früh in Rente gehen kann – sagen wir einfach mal 40 Jahre Anlagezeit vor sich. Der darf sich regelrecht wünschen, dass wir einen riesigen Crash bekommen, wo er Unternehmensanteile günstig einkaufen kann.

Aber Unternehmen sind genau die Teilnehmer auf dem Markt, die immer geschützt werden. Das heißt also, selbst wenn wir Systemkrisen bekommen. Alles Dinge, womit man sich nicht zwangsläufig als Zwanzigjähriger beschäftigen muss. Unternehmen sind die, die vom Staat geschützt werden müssen, weil es um Arbeitsplätze geht. In Unternehmen investieren, vielleicht am Anfang mit den Unternehmen anfangen, von denen man was versteht, vielleicht aus seinen eigenen Erfahrungen lernen und sagen: “Okay die, die am lautesten schreien, die jetzt aktuell vielleicht so einen Aufschwung erfahren, vielleicht sind das langfristig nicht die richtigen.” Also durchaus eigene Erfahrungen machen lassen.

 

In einem Video warnst Du vor einigen ETFs. Sind ETFs nicht gerade für Anfänger sinnvoll?

Doch absolut, also wenn ich über Aktienanlage spreche. Da können ETFs absolut der Einstieg sein. Weil man ganz klar sagen muss, wenn ich bei einer Sparrate monatlich von unter 250 bis 300 Euro bin, dann ist es zu teuer in Einzelaktien zu investieren. Da kann man auch überlegen dass man sagt: “Ich nehme mal ein paar Quartale zusammen und kaufe mir dann eine Aktie.” Aber ETFs sind aus meiner Sicht genau der richtige Einstieg. Gerade eben weil wir in der Ausbildung über eine Sparrate von 25 Euro oder 50 Euro sprechen.

Das macht sich langfristig durchaus bemerkbar, weil es dabei nicht nur um die 25 und 50 Euro geht, sondern einfach um das Gefühl und das Wissen: “Okay, ich nehme jeden Monat ein kleines bisschen ab”. Ich nehme halt – keine Ahnung was aktuell ein Drink im Club kostet – drei oder vier im Monat weniger und stecke das in einen ETF. Also wenn ich über Aktienanlage spreche, dann beinhaltet das ETFs durchaus. ETFs sind ja einfach eine marktbreite Anlage.

Wenn ich eine Warnung für ETFs ausspreche, dann sicherlich nicht allgemein, sondern weil es ETFs gibt, die einfach so konstruiert sind, dass die letztendlich denjenigen, der sie kauft, in irgendeiner Form vermitteln: “Hier erhältst du eine ganz besondere Rendite, weil…” Dafür sind die ETFs einfach nicht gemacht. ETFs sind gemacht, um einen Markt breit zu kaufen und um sehr günstig zu investieren. Das sind also die bessere Alternative gegenüber Aktienfonds.

 

Du als Finanzblogger lockst häufig mit klickträchtigen Titeln. Fasse doch einmal den Inhalt des Videos “Wie werde ich reich mit 200 Euro zusammen”.

Das ist im Prinzip das, was ich am Anfang auch gesagt habe – einfach anfangen. Das sollte insofern provokant sein, als dass ich mit 200 Euro, die ich wieder und wieder und wieder und monatlich anlege, insofern reich werden kann, als dass ich mir daraus am Ende ein Aktienportfolio bauen kann, welches mir dann passive Einkünfte über Jahre hinweg ermöglicht. In diesem Video “Wie werde ich reich mit 200 Euro” ging es dann auch darum, dass 200 Euro vielleicht einen Einstieg sind in ETFs. Wenn aber meine Lebenssituation sich ändert, ich also vielleicht irgendwo angestellt oder selbstständig bin, bringen es die meisten Lebensläufe so mit sich, dass das Einkommen im Laufe der Zeit auch steigt. Dann kann ich meine Sparrate erhöhen. Insofern mag der Titel provokant klingen. Eigentlich finde ich aber, dass das gar nicht so provokant ist.

 

 


“Erfolgreiche Geldanlage – ich zeige Dir wie!” Das ist der Slogan des Finanzbloggers Lars Erichsen, der auf seinem YouTube-Kanal konkrete Tipps und Hilfestellung für Anleger verspricht. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich bereits mit der Geldanlage.


 

Bildquelle(n):

  • Right Way, Wrong Way Green Road Sign Over Dramatic Sky and Clouds.: Colourbox
Redaktion

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