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Für Berufsanfänger scheint die Altersvorsorge noch weit weg. Doch früh mit dem Investieren anzufangen lohnt sich. Wie man sich am besten dazu motiviert, erklärt Geld-Coachin Dani Parthum. 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Wie beginnen Berufsanfänger mit dem Vermögensaufbau?

 Dani Parthum: Wenn ich gerade von der Uni oder aus einer Berufsausbildung komme, habe ich endlich Geld, das ist super. Dann gibt eine Frau aber auch gerne mal ihr Geld aus, was ich auch völlig in Ordnung finde. Aber nach einer Weile sollte sich dann wieder der Kopf über das Gefühl „endlich habe ich Geld“ einschalten und man sollte sich die Ausgaben anschauen. Nicht, dass die Ausgaben mit dem Einkommen wachsen. 

Das ist diese Konsuminflation, die wir haben, dass wir unser Einkommen nicht in Ausgaben denken, sondern dass wir unser Einkommen tatsächlich aufteilen in einen Spar-, einen Investmentanteil und in einen Ausgabenanteil. Es heißt ja immer so schön: Ich spare das, was übrig ist. Völlig falscher Ansatz! Herumdrehen: Ich gebe das aus, was vom Sparen übrig ist. 

Das ist ein ganz anderer Ansatz im Kopf, wenn ich mein Einkommen auf Sparanteile verteile und den Rest ausgebe. Für Miete, für Klamotten, für Essen – was das Leben schön macht. Ich finde, das ist der wichtigste Punkt, dass wir Frauen verstehen: Wir leben lange und wenn wir gesetzlich versichert sind, wird es auf jeden Fall nicht reichen. Wir müssen für uns Fürsorge betreiben, wenn wir auch im Alter ein schönes, würdevolles Leben haben möchten. 

Ich möchte gerne ein würdevolles Leben haben, das wünsche ich allen anderen Frauen auch. Deswegen ist es tatsächlich so: Sparen und dann investieren. Rücklagen bilden und das wirklich auch als Lebensaufgabe begreifen. Für sich selbst Verantwortung übernehmen und das auf eine wichtige Stufe stellen. Denn  jeder Geldumgang hat immer etwas mit uns persönlich zu tun. Wenn wir uns um unser Geld kümmern, dann kümmern wir uns auch um uns. 

Wenn die jungen Frauen das verstehen, dann haben sie wahnsinnig gute Chancen, sich ein wirklich gutes und hohes Vermögen über Jahrzehnte aufzubauen. Denn durch den Zinseszinseffekt – der nach etwa zehn, zwölf Jahren eintritt – baut sich Vermögen auf. Je früher wir anfangen, desto einfacher baut es sich auf, wenn ich regelmäßig spare. Dann kann ich auch Vermögen aufbauen. Ein Teil des Vermögensaufbaus, geht nur über die Börse. Auf dem Tagesgeldkonto reicht es nicht.

 

Hilft dabei ein Ziel zu setzen?

Ich denke, ein Ziel ist extrem wichtig und es ist auch wichtig, eine Zahl zu haben – und wenn es die monatliche Sparrate ist. Klar kann ich sagen: Ich will eine Million in ETFs angespart haben oder 500.000 in ETFs und 250.000 in Tagesgeld oder in Anleihen. 

Ich kann eine Zahl anvisieren, nur diese Zahlen sind sehr groß und deswegen finde ich es gut, wenn man es herunterbricht auf den Monat. Wenn ich sage: Okay, ich will jeden Monat zum Beispiel 500 Euro für mein Ziel sparen. Es ist gut, wenn wir dieses Ziel emotional aufladen, denn jedweder Geldumgang ist emotionaler Natur. 

Wir schalten im besten Fall unser Gehirn darüber, unsere Ratio drüber, aber letztlich ist der erste Impuls emotional, wir Menschen sind emotionale Wesen. Aber wir können unseren Verstand einsetzen – aber nur der zieht nicht. Das heißt, wir brauchen nicht nur eine Zahl, sondern ein emotional aufgeladenes Ziel dahinter, wie gut zu leben oder ein Haus zu haben oder zu reisen. Dann halten wir auch durch. Das ist diese Motivation, die manchmal auch abhanden kommt. 

 

Wie motiviert man sich?

Das Wichtigste ist, zu verstehen, dass wir Menschen “Jetzt-Wesen” sind und es in unserer Natur liegt, nicht in die Zukunft denken zu können. Es fällt uns wahnsinnig schwer, dieses “wie soll ich mich motivieren, die Rente ist noch soweit entfernt”, das ist eigentlich ein Normalzustand. Das zu verstehen, ist der erste Schritt. 

Dann können wir mit unserer Ratio und unserem Verstand darüber gehen und sagen: Okay, das ist jetzt – aber ich lebe ja noch 60, 70 Jahre, je nachdem, wie jung ich bin. Ich habe ja schon 20 oder 25 Jahre gelebt. Hätte ich mal gedacht, dass ich 25 werde? Also ich bin jetzt fast 50 und hätte ich mir mit 30 gedacht, dass ich mal 50 werde? Nein, hätte ich nicht! 

Klar, es ist gut gelaufen. Ich bin so alt und ich hoffe, dass ich noch mindestens 40, 50 Jahre obendrauf packen kann. Genau das ist diese emotionale Komponente: Auch wenn wir uns die Zukunft nicht vorstellen können, wir wissen, sie kommt definitiv. Dann ist es doch besser, vorbereitet zu sein, als dazustehen und zu sagen: “Jetzt kann ich nichts mehr machen.” 

Wenn man 25, 30, 35, 40 ist, auch 50, kann jeder sehr viel machen und noch sehr viel Vermögen aufbauen, am besten sofort. Wenn wir 70 sind, dann wird es einfach schwierig. Die Zeit arbeitet bis zu einem gewissen Punkt für uns, dann arbeitet sie gegen uns. Die Zeit ist aber immer da. 

Das wäre mein Appell für die Motivation, zu wissen: die Zukunft kommt. Und daher tu etwas für dich und deine Zukunft. Denn wenn du es nicht tust, tut es jemand anderes für dich. Dann ist es bestimmt nicht in deinem Sinn und auch nicht gut. Im Zweifel wird es dann sehr unwürdig im Alter und das wünsche ich niemandem. Wir können es nur selbst erreichen, wir müssen uns selbst kümmern.

 


Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin und hat früher als Radio-Journalistin unter anderem für den NDR, WDR und Deutschlandfunk gearbeitet. Mittlerweile ist sie selbstständige Geld-Coachin und möchte durch ihren Blog “Geldfrau” anderen Frauen den klugen Umgang mit Geld und Vermögensaufbau beibringen.


 

Bildquelle(n):

  • Darts: Colourbox
Redaktion

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