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Die Börse hat in der breiten Masse einen schlechten Ruf. Spekulanten und Zocker tragen dazu bei. “Ich gehe auch mal ins Kasino”, gibt Thomas der Sparkojote zu. 

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Was war Dein größter Verlust?

Thomas Kovacs: In der Geldanlage allgemein waren das Kryptos. Darüber habe ich auch öffentlich mal ein Video gemacht. Da habe ich Buchverluste eingefahren. Ich habe zehntausend investiert, das war mein Maximum. Da habe ich gesagt, dass es mich zwar stört, wenn das weg ist, es aber an meinem Leben nichts ändert. Prozentual ist das nur ein kleiner Anteil von meinem Nettovermögen. Da habe ich den größten Verlust gemacht. 

Auf Aktien gesehen finde ich das aber viel interessanter. Du verkaufst Gewinne, um Gewinne mitzunehmen. Die ganzen Verlierer behältst du um Depot und hoffst auf den Turnaround. Das ist nicht so mein Ding. Da wurde auch Kolja Barghoorn kürzlich total von seiner ganzen Community konfrontiert: “Hey, du machst doch Buy and Hold und nun trennst du dich von XY” Es ist meiner Meinung nach extrem wichtig zu erkennen, dass man sich auch teilweise trennen muss, um den Verlust realisieren. General Electric – ich hatte da 56 Prozent Verlust, das waren knapp 1800 Franken. Diese Verluste habe ich realisiert. Auf der anderen Seite hast du vielleicht viele Unternehmen wie Cisco oder Nvidia, die das dann sofort komplett wieder ausgleichen oder sogar noch oben drauf eine positive Rendite hauen. Vor allem wenn du in Einzelaktien investiert, so wie ich das mache. Du wirst irgendwelche Loser picken, das ist ganz klar. Du kannst nicht nur Gewinner picken, sonst würde jeder Stockpicking betreiben. 

Thema Sicherheit: Wieso investierst du nicht in ETFs? 

Du nimmst die Marktperformance mit und man weiß ja auch, dass auch bei Fondsmanagers und den ganzen Experten die Wahrscheinlichkeit relativ klein ist, den Markt über Jahrzehnte outzuperformen. Da gibt es ganze wenige Leute, Warren Buffett vielleicht. Wieso investiere ich also überhaupt in Einzelaktien? Mein Hauptgrund ist, dass ich weiß, welche Unternehmen das sind. Und wenn dann mal ein Crash kommt, ist das für mich nicht ganz so abstrakt. Bei ETFs sehen die Leute meistens nur eine Zahl. Und wenn sie nur eine Zahl sehen, die wie bei Bitcoin oder anderen Kryptowährungen immer sinkt, fängt das Herz an zu flattern. Auch bei diesen Zehntausend habe ich mir gedacht, dass das nicht so geil ist. Darum versuche ich mich mit Unternehmen auseinanderzusetzen und zu wissen, dass das auch wirklich Unternehmen mit Mitarbeitern und Produkten sind. Produkte, die wir überall auf der Welt nutzen, wie Coca Cola zum Beispiel. Da beuge ich so ein bisschen vor, wenn ein Crash kommt. Viele sagen ja, man muss rational handeln. Aber das Problem ist: Ein Mensch ist ein emotionales Wesen. Wir können nicht eiskalt rational handeln. Sonst könnte ich überall Leute umbringen und würde nichts spüren. Das funktioniert aber nicht, weil wir emotionale Wiesen sind.

 

Darf man auch mal zocken?

Klar. Ich gehe auch mal ins Kasino. Du machst das für den Kick. Du hast zwar ein Hauptinvestment, langfristig über Dekaden. Ich bin 22 Jahre alt und du bist ja auch noch sehr jung – wir haben 70 Jahre Anlagezeitraum. Dann hast du einen kleinen Teil, zehntausend in meinem Fall, um einfach mal ein bisschen zu zocken, den Kick haben. Das sind dann wieder die Emotionen. Dieser Kick ist eine Emotion, das macht dich high. Diese ganze Gier. Ich habe dann halt erkannt, dass du das eins zu eins auf Aktien übertragen kannst. Das ist wahrscheinlich das gleiche Gefühl. Wenn die Aktien crashen – ich habe es bei den Kryptos erlebt, von 10.000 auf 2.000 rund 80 Prozent nach unten – ist das wahrscheinlich ein sehr ähnliches Gefühl in kleinerem Rahmen. Das hilft mir dann vielleicht auch in zehn, 20, 30 Jahren, wenn immer mal wieder mal Crashes kommen. 

 


Thomas Kovacs, auch bekannt als Thomas der Sparkojote, ist ein 22-jähriger Blogger aus der Schweiz. Pro Woche lädt er drei Videos über Finanzen auf YouTube hoch. Seit über vier Jahren investiert er schon an der Börse. Seine Strategie: Dividenden.


 

Bildquelle(n):

  • Ropejumping: people extrim: Colourbox
Redaktion

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