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Oft sind Unwissenheit und Angst die Gründe dafür, kein Geld fürs Alter anzulegen. Dabei gibt es einfache Regeln, mit denen man erfolgreich investieren kann. Auf jeden Fall immer eine Reserve in der Hinterhand haben, sagt Thomas der Sparkojote. Und: Möglichst früh anfangen.

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Hast Du Grundregeln beim Investieren?

Thomas Kovacs: Eine meiner Grundregeln ist: Wenn die Dividende gekürzt wird, dann schaue ich relativ schnell, dass ich verkaufe. Zumindest bei einer extremen Kürzung. Bestes Beispiel ist General Electric. Sie haben ihre Dividende um 50 Prozent gekürzt, das war schon ein No-Go für mich. Da gehe ich raus. Das ist einfach meine persönliche Meinung. Im Fall General Electric ist das eine gute Entscheidungen gewesen, weil ich da zwar einen Verlust mitgenommen habe, aber auch einige Verluste gespart habe. Die Dividende wurde dann auf einen symbolischen Cent gekürzt, glaube ich. Vielleicht greif ich damit auch mal ins Klo, wenn ein Turnaround kommt. Aber das ist mir egal. Man sollte nach seinen Regeln handeln und nichts bereuen. Ob der Kurs dann wieder hochgeht oder nicht – das weißt du ja nicht. Das weiß niemand, sonst hätten wir überall Millionäre und Milliardäre.

Als Grundsatz für das Investieren von Anfängern finde ich wichtig: Schon bevor du überhaupt investierst, musst du eine Notreserve aufbauen, einen Notgroschen. Ich sage immer, man sollte drei bis zwölf Monate fixe Kosten, monatliche Ausgaben, auf der hohen Kante haben. Für mich sind es zum Beispiel immer drei bis vier Monate. Es gibt Leute, die wollen zwölf haben, andere wollen acht. Das Geld wird nicht investiert. Viele Leute fragen mich, ob sie das nicht besser noch investieren und Rendite mitnehmen können. Nein! Das bleibt Cash, das ist wirklich für Notfälle. Das muss verfügbar sein, da scheißt du auf die Inflation und Negativzinsen. Danach kannst du investieren und wenn das Geld im Worst Case verloren geht, hast du immer noch den Notgroschen. Du kannst überleben. Selbst wenn nun gekündigt wirst, hast du diese Monate übrig. Das ist mein Ansatz.

Du musst diesen Notgroschen haben und wenn nicht, dann investierst du nicht. Fertig. Du musst definieren, wie hoch dieser Notgroschen sein muss. Wenn du ihn hast, dann bist du frei. Möchtest du in P2P-Kredite investieren, in Aktien, in Immobilien? Das ist mein Tipp, den ich jedem rate. Viele unterschätzen das. Man ist ja so übermotiviert: “Ich habe jetzt Geld bekommen, ich möchte jetzt sofort in den Aktienmarkt investieren, alles rein, erste Dividendenausschüttung.” Alles schön und gut, aber der Notgroschen, die Reserve, muss da sein.

Und nicht den Notgroschen mit Cash-Reserve verwechseln. Das ist etwas anderes. Cash-Reserve ist da zum Investieren, wenn es mal kracht oder du Nachkäufe tätigen willst. Der Notgroschen ist für den Notfall gedacht. Es sieht dann noch einmal anders aus, wenn ein Unternehmer bist oder selbstständig bist. Weil dann nimmst du auch noch mehr Risiko auf, weil du eben selbständig bist. Du kannst selbst noch einmal in dein eigenes Business investieren. Da sieht es anders aus. Ich rede jetzt von den ganz normalen Angestellten, ich war ja vorher auch angestellt. Da muss der Notgroschen einfach sein und auch getrennt von der Cash Reserve liegen. Der ist unantastbar und nur dafür da, wenn irgendetwas passiert.

Du hattest mit 18 Jahren Dein erstes Depot. Glaubst Du, es sollte jeder so früh anfangen, zu investieren? 

Je früher desto besser. Dann machst du die Erfahrungen. Sonst zögerst du es immer weiter hinaus. Ich fange mit 25 an, dann ist es immer noch zu früh. 26? Immer noch zu früh. Nach dem Studium? Nun ja, nach dem Bachelor? Dann geht es aber los. Das funktioniert meiner Meinung nach nicht. Go for it! Ich habe mit 16, 17 Jahren ein Business gestartet und habe auf Ebay Sachen verkauft. Davor habe ich immer WoW-Gold verkauft. Je früher umso besser! Das ist meine persönliche Meinung. Die passt vielleicht nicht jedem, aber so funktioniert es bei mir.

 

Kann jeder mit 30 Millionär sein?

“Mit 30 Millionär” – Das wurde immer wieder von den Medien aufgegriffen. Ich habe das erwähnt als eines meiner Ziele und wurde dann teilweise darauf begrenzt. Das passiert halt, da kann ich nichts dafür. Es ist eines der finanziellen Ziele. Ich habe gemerkt, dass das als Angestellter so nicht funktioniert. Rein rechnerisch funktioniert das in den meisten Fällen nicht. Darum beantworte ich deine Frage direkt: Das funktioniert nicht für die meisten, weil die meisten angestellt sind. Darum gehe ich den anderen Weg. Ich möchte selbständig sein und von der Selbständigkeit ins Unternehmertum gehen. So kann es dann funktionieren. Es ist keine Garantie, aber das ist definitiv eine bessere Chance. Wenn es denn klappt und erfolgreich wird, hast du eine viel bessere Chance, als wenn du angestellt bist. Das heißt: Die Antwort für die meisten ist, dass es wohl nichts werden wird. Die meisten wollen angestellt sein und sind es de facto auch.

 

 


Thomas Kovacs, auch bekannt als Thomas der Sparkojote, ist ein 22-jähriger Blogger aus der Schweiz. Pro Woche lädt er drei Videos über Finanzen auf YouTube hoch. Seit über vier Jahren investiert er schon an der Börse. Seine Strategie: Dividenden.


 

 

Bildquelle(n):

  • Know The Rules Concept: Colourbox
Redaktion

FFQ mit Chiara Bachmann

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