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Bereits mit 20 Jahren an der Börse starten – zu früh oder genau richtig? Sogar sehr wichtig, meint Blogger Luis Pazos. Seinen Kindern hat er bereits einen Fonds-Sparplan eingerichtet, den er mit ihnen durchgeht.

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Warum hast Du so früh angefangen und wie kam es dazu?

Luis Pazos: Das ist in der Tat eine interessante Frage, die ich auch vor einigen Wochen mit meiner Mutter erörtert habe. Weil ich tatsächlich aus einem bürgerlichen Haushalt stamme, in dem allerdings das komplexeste Finanzprodukt eben eine klassische Lebensversicherung und eine Wohnimmobilie war. Mit börsennotierten Wertpapieren hatten meine Eltern aber keinerlei Erfahrungswerte. Allerdings hatte ich eben schon in der Jugendzeit so ein Ökonomie-Gen, nenne ich es mal. Es kann sein, dass das eine Generation übersprungen hat. Das hat dazu geführt, dass ich mich schon sehr früh für Geldthemen interessiert habe.

Was ich meinen Eltern hoch anrechnen muss, ist, dass sie das nicht unterlaufen und nicht dagegen gearbeitet haben, sondern gesagt haben: “Ne, mach das mal ruhig und ein sammle deine Erfahrungen.” Die große Gefahr ist natürlich, wenn man in einer Umgebung groß wird, die keinerlei Erfahrungswerte mit beispielsweise börsennotierten Wertpapieren hat, aber dann auch noch davon abrät oder das gezielt verhindern möchte. Durchaus aus dem verständlichen Wunsch heraus, dass ich nicht möchte, dass mein Kind Geld in den Sand setzt und die Börse ist gefährlich und da verliert man Geld.

Mit 20 Jahren war soweit, dass ich auch das erste Geld verdient habe, was so substanziell war, dass ich gesagt habe: “Okay, dann kann ich etwas damit machen.” Dann war für mich klar, dass ich dafür Aktien kaufe. Aber wie jetzt genau dieser Motivationsverlauf war, das bekomme ich dann auch nicht mehr rekonstruiert. Sicherlich wurde nicht dagegen gearbeitet Zuhause, ich hatte schon früh Interesse an Geldthemen und das hat irgendwann dazu geführt, dass ich gesagt habe: “Okay, dann probier ich halt mal Aktien aus.” 

 

Wie gewinnt man junge Leute für die Geldanlage?

Ich habe bei meinen Kindern auch früh angefangen, indem ich mit meiner Frau zusammen einen ganz simplen Fondssparplan für sie eingerichtet habe. Ich mache es auch so mit der Älteren, die so weit ist, dass sie es auch versteht, was das für eine Konstruktion ist. Dass ich mir beispielsweise den Jahresbericht des Fonds, wenn er einmal im Jahr erscheint, ausdrucke und so die wichtigsten Positionen mit ihr durch gehe. Um einfach ein Verständnis dafür zu wecken und zu sagen: “Okay, du hast den Anteil an einem Pool von Wertpapieren. Diese Wertpapiere verbriefen eben einen Anteil an einer Firma, das sind alles bekannte Firmen. Hier zum Beispiel, wo wir tanken. Oder hier bei bestimmten Medikamenten, die der Opa nennt.” Sodass sie eben auch eine Assoziation hat. Wenn wir da tanken, dann kommt ein Teil des Geldes wieder zu mir zurück.

Das kann das natürlich fördern, aber wahrscheinlich darf man sich auch keine Illusionen machen: Wenn es dem Kind irgendwie nicht liegt, dann wird es sich damit auch nicht tiefergehend beschäftigen. Das unterstützt zwar vielleicht eine Anlage, die da ist. Aber einer Anlage, die nicht da ist oder sogar einem Widerwillen, sich dann später mit dem Thema auseinanderzusetzen, kann ich sicherlich nicht besonders gut entgegenwirken. Jeder, der Kinder hat, weiß, dass sie irgendwann ihren eigenen Kopf haben. Vielleicht erinnern Sie sich dann später zurück.

Um auf die erste Frage, “Warum so früh?” zu antworten: Es ist eminent wichtig, frühzeitig anzufangen, weil der Effekt der Geldanlage an sich und der daraus generierten Erträge erst in einem langen Zeitverlauf Früchte trägt. Das heißt, wer zu einem nennenswerten Kapital zu Lebenszeiten kommen will und jetzt nicht unternehmerisch tätig ist, Lotto spielt oder Erbschaft sein Eigen nennt, muss früh anfangen, um eben auf ein substanzielles Vermögen kommen zu können. Das kann man sich auch schön vor Augen führen, da gibt es ja auch Rechner für. Dass man mal guckt, nach wieviel Jahren bei welcher Rendite von einem bestimmten Vermögen oder was von diesem Vermögen der Sparanteil und was der Zinsanteil ist.

Man wird feststellen, dass man je nach Zinssatz 20 oder teilweise 30 Jahre braucht, bis von dem Vermögen mehr als die Hälfte aus Erträgen stammt. Das beleuchtet noch einmal die Besonderheit, sich wirklich frühzeitig damit auseinanderzusetzen und frühzeitig zu beginnen. Weil der Faktor Zeit ist eben immer begrenzt.

 


Für Finanz- und Börsenthemen interessiert sich Luis Pazos, Blogger und Buchautor, bereits seit der Schulzeit. Seit 1994 handelt er an verschiedenen Börsenplätzen. Seine Strategie: Hochdividendenwerte. Für das Monatsmagazin “eigentümlich frei” schreibt er regelmäßig Buchkritiken sowie Fachartikel. Außerdem betreibt Luis einen Finanzblog zu passiven Einkommensstrategien.


 

Bildquelle(n):

  • don’t miss deadline: Colourbox
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