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In seinem Buch “Bargeld statt Buchgewinn” geht Luis Pazos genauestens auf seine Anlagestrategie ein. Uns erklärt er, was es mit den Hochdividendenwerten auf sich hat, warum Edelmetalle eine gute Absicherung sein können und wie ein optimales Portfolio aussehen soll.  

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: Was sind Hochdividendenwerte und warum glaubst Du so an sie?

Luis Pazos: Was sind Hochdividendenwerte? Das ist natürlich kein fest definierter Begriff. Das habe ich so im Buch eingeführt, um eben einen bestimmten Typus von Wertpapieren zu charakterisieren, der bestimmte Merkmale hat. Im Jahr 2002 bin ich darauf gekommen, dass es bestimmte Wertpapiergattungen gibt, die ganz normal an der Börse notiert sind, aber noch einmal speziellen Regularien unterliegen. Das ist zum Beispiel bei besagten Income Trusts der Fall gewesen. Das ist eine spezielle Wertpapiergattung in Kanada, die tatsächlich sehr häufig von Pensionskassen und Rentnern erworben wird. Die haben folgendes Merkmal: Sie sind oder waren seinerzeit durchgehend auf Unternehmensebene von der Steuer befreit. Das ist natürlich schon einmal ein hoher Liquiditätsvorteil. Wenn man sich überlegt, dass eine deutsche Aktiengesellschaft auf 100 Euro Gewinn 15 Prozent Körperschaftsteuer und rund 15 Prozent Gewerbesteuer zahlt. Von den 100 Euro sind schon einmal 30 Euro weg.

Beim Income Trust sind eben von 100 kanadischen Dollar immer noch 100 da, weil eben keine Besteuerung stattfindet. Im Gegenzug haben die Income Trusts eine Vorgabe, was ihre Ausschüttungen angeht. Sie müssen einen Großteil der Ausschüttung nach Erhaltungs- und Erweiterungsinvestitionen an die Anteilseigner ausschütten. Das dritte ist, dass diese Ausschüttungen – und das fand ich seinerzeit extrem faszinierend – unterjährig, im Falle Income Trusts sogar überwiegend monatlich, getätigt werden. Was ich so faszinierend fand, war die Tatsache, dass wir in Deutschland als monatliches Einkommen typischerweise das Gehalt kennen. Ansonsten sowas wie Jahresdividenden oder Jahreszins-Gutschrift. Aber hier hatte ich erstmals etwas entdeckt, was im Prinzip analog zu einem Gehalt gezahlt wird. Ich habe hier also die Möglichkeit, dass ich normales Gehalt beziehe und gleichzeitig über diese Income Trusts eben auch noch einmal ein monatliches Zweit-Einkommen direkt von der Börse oder von Wertpapieren.

Das sind so drei Schlüsselmerkmale, die diese Hochdividendenwerte ausmachen. Nachdem ich mich weiter damit beschäftigt habe, habe ich festgestellt, dass es weltweit ganz viele solcher speziellen Wertpapiergattungen gibt, die ein eigenes Recht haben: weitestgehend auf Unternehmensebene steuerbefreit die Erträge vereinnahmen, im Gegenzug einen hohen Anteil ihrer Erträge unterjährig ausschütten und teilweise auch so etwas haben wie Selbstverpflichtungserklärungen des Managements, eine bestimmte Dividendenpolitik zu betreiben. Es gibt natürlich es auch ein paar Fallstricke, also ein paar Sachen, die man beachten muss. Aber ansonsten fand ich das eben wirklich geradezu prädestiniert, diesem Einkommensgedanken Rechnung zu tragen, weil es eben dem, was man eben so landläufig für ein Einkommen hält, sehr sehr nahe kommt. Das war dieser faszinierende Aspekt.

 

Sind Edelmetalle wie Gold für Dich trotzdem ein Anlageprodukt?

Ich möchte die Antwort gerne zweiteilen. Ich kann tatsächlich auch mit Gold regelmäßige Einnahmen erzielen. Das ist aber schon sehr speziell und für Einsteiger eher ungeeignet. Wenn ich Gold kaufe und darauf Optionen verschreibe, kann ich Optionsprämien einnehmen. Das heißt, ich kann mit Gold oder jedem anderen börsengehandelten Vermögenswert Erträge erzielen. Das geht tatsächlich. Es gibt sogar börsennotierte fertige Lösungen. Da kann ich in Wertpapiere investieren, die genau so eine Strategie umsetzen. Das nennt sich Covered Call Fonds.

Das ist aber nicht meine Hauptintention im Fall von Gold. Sondern ich vergleiche es damit: Wer eine Wohnung besitzt und vermietet, erzielt mit der Wohnung Erträge. Allerdings wird es in fast jedem Fall so sein, dass es eine Wohngebäudeversicherung für das Objekt gibt. Das kann man vergleichen mit der Rolle des Goldes, analog zur Wohngebäudeversicherungen für ein Wertpapierdepot.

Einen kleinen Goldanteil halte ich persönlich im Rahmen einer breit gestreuten Vermögensallokation, also der Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen, als Versicherung oder als Hedge gegen mögliche Währungsturbulenzen durchaus für geeignet. Vielleicht nicht gleich ganz am Anfang, aber im weiteren Verlauf, wenn das Vermögen eine gewisse Höhe erreicht hat, kann man sicher darüber nachdenken.

 

Wie sollte ein optimales Depot aussehen?

Das kommt natürlich wieder auf die Ziele an. Wenn ich natürlich in relativ kurzer Zeit mit einem entsprechenden Risiko ein möglichst hohes Vermögen erzielen will, muss ich meine Mittel konzentrieren. Da muss ich natürlich sagen: “Okay, ich wähle sehr riskante Finanzprodukte, vielleicht auch so etwas wie gehebelte Produkte, um hier in möglichst kurzer Zeit ein möglichst hohes Endvermögen erreichen zu können.” Das ist natürlich verbunden mit dem Risiko einer Totalpleite. Im schlimmsten Fall, wenn ich es eben mit Krediten hebele, was ich nicht empfehlen würde, gehe ich aus der Operation sogar mit Schulden raus. Das ist aber der eine Aspekt, wenn es darauf ankommt. Das ist aber vom Ziel abhängig.

Wenn ich in zehn Jahren mit einem Startkapital von 10.000 Euro eine Million machen möchte, dann wird mir nichts anderes übrig bleiben, als eine sehr riskante Strategie zu fahren, also eine Konzentrationsstrategie. Wenn es mir um einen langfristigen Vermögensaufbau geht, dann sind wir an einem Punkt, den ich eben erläutert habe. Dann komme ich eigentlich um ein Weltportfolio nicht drumherum. Egal, ob es nun eins mit Hochdividendenwerten, mit ganz normalen Aktien oder einer anderen strategischen Grundausrichtung ist.

Aber dann ist es wichtig, eben über verschiedene Regionen, verschiedene Branchen und verschiedene Währungsräume zu streuen. Dann können wir von dem Auf und Ab und der regelmäßigen Rebalancierung auch noch ein bisschen zu profitieren.

 


Für Finanz- und Börsenthemen interessiert sich Luis Pazos, Blogger und Buchautor, bereits seit der Schulzeit. Seit 1994 handelt er an verschiedenen Börsenplätzen. Seine Strategie: Hochdividendenwerte. Für das Monatsmagazin “eigentümlich frei” schreibt er regelmäßig Buchkritiken sowie Fachartikel. Außerdem betreibt Luis einen Finanzblog zu passiven Einkommensstrategien.


 

Bildquelle(n):

  • Old vintage globe: Colourbox
Redaktion

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2 Comments

  1. Sehr wertvoller Inhalt. Danke für das Interview.

    1. Gerne!

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