0
In Deutschland gibt es aktuell Diskussion um einen Staatsfonds oder zumindest um staatlich geförderte Aktienanlage. Die gibt es beispielsweise in der Schweiz. Wir haben im Gespräch mit Thomas dem Sparkojoten genutzt, um uns das Schweizer System erklären zu lassen.

 

 

Mein-KohleEinstieg.de: In der Schweiz gibt es staatlich geförderte Aktienanlage. Wie kann ich mir das vorstellen?

Thomas Kovacs: Du hast die erste Säule, das ist die gesetzliche Rente. Die hast du so oder so. Dann hast du die zweite Säule, die Pensionskasse. Die hast du als Angestellter, die nennt sich auch BVG. Das wird ebenfalls abgezogen vom Gehalt. Der eine Teil wird investiert, der andere Teil Cash gehalten. Das wird alles gehaushaltet. Nicht von dir selbst, sondern von Fondsmanagern und den Organisatoren. Und dann gibt es die dritte Säule, die du gerade angesprochen hast. Die hast du als Selbstständiger oder auch als Angestellter. Da kannst du einen fixen Betrag jährlich einzahlen. Der ist nicht übertragbar. Das sind etwa 6.800 Franken als Angestellter und sind rund 32.800 Franken als Selbständiger, maximal 20 Prozent vom steuerbaren Einkommen. Das Geld, was in dieses Vorsorgedepot oder -konto reinkommt, kannst du entweder vollkommen Cash halten. Dann hast du aber praktisch keine Zinsen. Oder du kannst sagen: “Ich möchte 20 Prozent Aktienanteil.” Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bis zu 97 Prozent kannst du auf Aktien eingehen. Der große Vorteil ist, dass Dividenden und die Erträge bis zum Auszahlungszeitpunkt steuerfrei sind. Der ist unter Umständen in 40, 45 oder 50 Jahren. Das heißt, du profitierst von einer steuerfreien Rendite, den Zinseszins kennen wir ja alle. Und erst am Schluss wird dann vom Endbetrag, den du dir auszahlen lässt, die Steuer abgezogen. Da gibt es auch noch Optimierungen, dass man fünf Vorsorgekonten macht und die sich innerhalb von fünf Jahren nach und nach auszahlen lässt. Damit die Steuer möglichst niedrig ist. Es gibt wirklich super viele Möglichkeiten. Deshalb bin total verblüfft, dass viele Schweizer sich nicht unbedingt damit auseinandersetzen. obwohl da es ein sehr gutes Vorsorgesystem ist meiner Meinung nach. Wenn ich es vergleiche mit den umliegenden Ländern der Schweiz, haben wir ein relativ gutes System finde ich. Natürlich man kann immer etwas besser machen. Als ich zum Beispiel im vergangenen Jahr angestellt war, habe ich diese 6.000 Franken voll eingezahlt. Das kannst du steuerlich abziehen und hast ein tieferes steuerbares Einkommen. Du sparst dann im darauffolgenden Jahr auch noch ein bisschen Steuern. Also super coole Sache.

Könnte man so ein System auch in Deutschland aufbauen?

Es wäre sicherlich möglich, es irgendwie zu implementieren. Vielleicht wegen der Skalierbarkeit etwas abgewandelt. Wir sind in der Schweiz achteinhalb Millionen Menschen und in Deutschland leben 82 Millionen. Also fast zehnmal mehr. Das heißt, da hast du auch noch andere Problematiken mit der Skalierung. Aber ich denke mal, dass das sicherlich in irgendeiner Form möglich wäre. Auch andere Systeme sind aber denkbar. In den USA hast du das 401k. Es gibt viele Möglichkeiten. Die Schweiz hat es nicht perfektioniert, aber ich finde es schon sehr gut. Also kann mich nicht beklagen über das System.

 

 


Thomas Kovacs, auch bekannt als Thomas der Sparkojote, ist ein 22-jähriger Blogger aus der Schweiz. Pro Woche lädt er drei Videos über Finanzen auf YouTube hoch. Seit über vier Jahren investiert er schon an der Börse. Seine Strategie: Dividenden.


 

Bildquelle(n):

  • Light bulb drawn on blackboard: Colourbox
Redaktion

Ein persönliches Ziel motiviert

Previous article

Nachhaltigkeit bedeutet Win-Win für alle

Next article

More in Interview

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may also like