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Anne Scheiber, Jahrgang 1894, war Angestellte beim Finanzamt. Kein besonders üppig bezahlter Job. Als sie 1944 in Rente ging, hatte sie gerade mal 5.000 Dollar gespart und bekam im Jahr eine Pension von zusätzlichen 3.150 Dollar.

Das klingt bis hierhin nicht, als würde daraus die Geschichte einer Multimillionärin werden. Doch Scheiber hatte einen Plan und den zog sie konsequent durch. Nach einigen negativen Erfahrungen mit Börsenhändlern nahm sie nun Ihre Finanzen selbst in die Hand.

Anne Scheiber kaufte Aktien großer Unternehmen wie Coca-Cola, PepsiCo, Bristol-Myers oder Schering-Plough (2009 von Pfizer übernommen), kassierte die Dividende und reinvestierte diese immer wieder – und das zog sie jahrzehntelang durch. Sie lebte sehr sparsam und soll sich auch mal tagelang vom bei einer Hauptversammlung eingepackten Essen ernährt haben.

Sie hat nie auch nur eine einzige Aktie verkauft. Scheiber kaufte nämlich nur Aktien von Unternehmen die sie gut fand und glaubte auch während einer Krise an die Unternehmen. Buy-and-hold wie aus dem Lehrbuch.

Bei der Auswahl ihrer Titel hatte sie sich stets auf ihre eigenen Recherchen verlassen, dabei aber immer Werte mit einer hohen Dividende bevorzugt. In den letzten Jahren ihres Lebens hatte sie die Dividenden zum Kauf von steuerfreien öffentlichen Pfandbriefen verwendet, deshalb bestand ihr Portfolio bei ihrem Tod zu 30 Prozent aus Anleihen.

Als sie 1995 im stolzen Alter von 101 Jahren starb, hatte sich der Wert ihres Depots auf die unglaubliche Summe von 22 Millionen Dollar gesteigert, in 52 Jahren und bei einem Startkapital von nur Fünftausend Dollar – eine beeindruckende Bilanz! Eine erfolgreiche Strategie.

Und eine, die ihr jährlich Dividenden von 750.000 Dollar einbrachten.

Ihr gesamtes Vermögen spendete Sie der Yeshiva University in New York.

Bildquelle(n):

  • Bangkok, Thailand – Octobed 02, 2016 : Grunge rusty retro vintag: Colourbox
Redaktion

Kohle-ABC: Was ist eine Börse?

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3 Comments

  1. Sie hatte „Kohle“, hat aber nie wirklich „gelebt“. Ist dieses Verhalten noch Sparsamkeit oder abgrundtiefer Geiz???

  2. Es zeigt sich aber auch, dass hier der Fehler gemacht wird aus der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen. Das klappt nicht immer so gut. Gerade aktuell unterliegen wir immer wahrscheinlicher den Grenzen des Wachstums, dass es diese gibt ist zwingend logisch die Erde und die Ressourcen wachsen ja nicht mit. Entsprechend wird es einen Wirtschaftsboom wie nach den Weltkriegen nicht noch einmal geben. Weiterhin ist immer auch Glück notwendig, das richtige gekauft zu haben. Oft unterliegen diese „Erfolgsstories“ dem „Survivorship Bias“. Rückwirkend betrachtet werden Entscheidungen als klug hingestellt, obwohl es evtl. auch nur Glück war. Mit sicherheit ließen sich viel mehr Menschen finden die genauso gehandelt hatten nur mit ihren Investitionen auf das falsche Unternehmen gesetzt haben. Also ist das erwähnte Vorgehen kein Garant für Erfolg.

  3. Da zeigt sich, dass buy-and-hold schon immer eine gute Idee war!

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